Jürgen Klopp ist neuer Bundestrainer im Männerfußball. Er ist der „erst“ zwölfte Bundestrainer der Nachkriegszeit bzw. nach der Wiederaufnahme Deutschlands in den Weltfußballverband FIFA im Jahr 1950. Die internationale Resonanz auf seine erste Pressekonferenz als Bundestrainer bewegte sich zwischen „Messias oder bloße Kosmetik“. Es ist unstrittig: Die Aufgaben eines Fußball- Bundestrainers haben sich seit der Nachkriegszeit vom „reinen Taktik- Sportlehrer“ zu einem „gesellschaftlichen Repräsentanten“ entwickelt. „Sein (des Nationaltrainers) Einfluss auf Mannschaft, Medien und Politik spiegelt dabei stets den jeweiligen Zeitgeist wider“. Diese aus meiner Sicht absolut zutreffende Einschätzung stammt nicht von mir. Ich habe sie aus einem zur WM 2026 publizierten Artikel der „bpb“, der Bundeszentrale für politische Bildung, zitiert. Egal ob man den Fußball liebt oder „alles für übertrieben“ hält, heutzutage wird in nahezu allen Bevölkerungsschichten und, massiv gesteuert durch die zahlreichen Medien, eher über Fußball diskutiert und berichtet als über politische oder wirtschaftliche Fragen. Man bekommt den Eindruck, dass für viele Menschen und in zahlreichen Medien die Leistungen der Vereine, Spieler und Trainer der Fußball-Bundesliga und den europäischen Top-Ligen, das Abschneiden der deutschen Vereine in der CL-League (und mit Abstrichen der Europa League) und ganz besonders der deutschen Nationalmannschaft eine viel wichtigere Rolle spielen.
Gianni Infantino, Präsident der FIFA, hat die Fußball-WM-Endrunde der Männer mit dem Aufblähen von 32 auf 48 Endrundenteilnehmer zu einer Eventveranstaltung mit beispielloser Kommerzialisierung gemacht.
Und Herr Nagelsmann hat vor Beginn der Endrunde der WM 2026 verkündet, „Wir wollen Weltmeister werden“. Auch einige Spieler haben sich so geäußert. Ob das klug war, wird sich (bald) zeigen. Notwendig war diese Ankündigung nicht. Er hat eine weitere, ebenso ungewöhnliche Ankündigung gemacht, indem er neun Spieler benannt hat, denen er eine Einsatzgarantie in der Startelf öffentlich zugesagt hat. Daran hat sich auch nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Schlotterbeck nichts geändert. Für ihn rückt Rüdiger in die Startelf auf. Brown konnte zwar im letzten Gruppenspiel nicht auflaufen, soll aber für das anstehende Spiel gegen Paraguay wieder gleich in der Startelf stehen. Raum, der für ihn einspringen durfte, kehrt wieder auf die Bank zurück. Aus dem Kreis der weiteren, nun noch verbliebenen 16 Spielern bekommen je weiterem Spiel zwei Spieler von der Bank die Chance, in die Startelf zu rutschen. Im Laufe der 2. Halbzeit erfolgten bisher einige Wechsel. Die eingewechselten Spieler sollen es offensichtlich „richten“, wenn es die Startelf auch nach 60 oder 70 Minuten nicht geschafft hat, oder eine Niederlage “droht“, was ab sofort ein Ausscheiden zur Folge hätte. Herr Nagelsmann vertraut darauf, dass die eingewechselten Spieler unmittelbar zu 100% funktionieren und das Ziel des Einzugs in die nächste Runde in vergleichsweise kürzeren Einsatzzeit so doch noch erreicht wird. Obwohl diese Spieler deutlich weniger Spielpraxis sammeln konnten und entsprechend seiner Bewertung nicht „erste Wahl“ sind. Auch wenn ein eingewechselter Spieler wie Undav die entscheidenden Tore gegen die Elfenbeinküste geschossen hat, oder wenn ein Spieler von der Bank seinen „Job“ vergleichsweise gut erledigt, hat er davon auszugehen, im nächsten K.o.- Spiel zunächst wieder auf der Bank zu sitzen.
Liebe Piranhas,
letztes Jahr hat der VfB Stuttgart mit dem Erreichen der CL-Ligaphase wieder die europäische Bühne betreten. Nach vierzehn langen Jahren gleich wieder in der „Königsklasse“ im europäischen Fußball spielen zu dürfen, damit rechneten nur die ganz großen Optimisten unter den VFB-Fans. An die vier magischen Nächte bei den Heimspielen in der letztjährigen CL-Ligaphase erinnere ich mich sehr gerne.
In der letzten BL-Saison lief es dann nicht ganz so erfolgreich, aber als DFB- Pokalsieger 2025 geht die Reise für den VfB auf der internationalen Bühne auch in dieser Saison weiter.
In der Europa League, der zweithöchsten Ebene des europäischen Fußballs. In der Europa League hat der VFB zuletzt vor 12 Jahren gespielt. Das Aus kam damals im Achtelfinale, gegen Lazio Rom. Da schied der VfB nach zwei Niederlagen nach einem 0:2 im Heimspiel und einer 3:1 Niederlage, vor leeren Rängen im Olympia Stadion in Rom, da Lazio Rom durch die UEFA kurzfristig vorher mit zwei Geisterspielen bestraft wurde, sang- und klanglos aus. Auch ich hatte damals einen Flug, eine Eintrittskarte und Übernachtungen gebucht. Zusammen mit Heiko und zwei weiteren Fanclub-Mitgliedern hatte ich mich dennoch auf die Reise gemacht. Statt Live-Fußball zu sehen haben wir Rom besichtigt und die damalige Papstwahl verfolgen können. Es war, wie alle meine Reisen mit dem Fanclub, ein unvergessliches Erlebnis – auch ohne Fußball.
Was für eine Saison. Der DFB-Pokalsieger 2025 heißt VfB Stuttgart
Noch eine Magische Nacht und nach der letzten Meisterschaft 2007 wieder ein bedeutsamer Titel für den VfB Stuttgart. Der DFB-Pokal ist nach 1997 wieder im „Ländle“.
Vor gerade mal zwei Jahren hat sich der VfB in der Relegation gegen den HSV durchgesetzt und so den Abstieg in die zweite B verhindert. In der ersten Saison nach der überstandenen Relegation hat sich der VfB unter Hoeneß sensationell die Vizemeisterschaft und damit die Teilnahme an der Champions League gesichert. Danach haben leider einige Leistungsträger den VfB verlassen: Anton und Ito in der Abwehr sowie Guirassy, der in der Saison 2024/2025 sagenhafte 28 Tore erzielt hat und zudem ein sehr sicherer Elfmeterschütze war. Erneut stand ein Umbau der Mannschaft an. Trotz der ungewohnten Mehrfachbelastung, einer neu zusammengestellten Abwehr und mit drei Neuen im Angriff (Demirovic, Woltemade und Touré) hat sich die Mannschaft nun in der abgelaufenen Saison den DFB-Pokal gesichert und dadurch die direkte Qualifikation für die Europa League (EL) geschafft. Natürlich war die Erwartung vieler Fans nach der Vizemeisterschaft, dass der VfB erneut in die Champions League einzieht. Am Ende reichte in der Bundesliga für Platz neun. Sei es drum, der Pokalsieg überstrahlt ALLES.
Magische Nächte Teil 5. Der Traum vom Einzug ins DFB - Pokalendspiel 2025 hat sich erfüllt
Liebe Piranhas,
in meiner Kolumne nach dem letzten Spiel in der CL-Runde 2024/2025 gegen PSG habe ich geschrieben, dass es trotz des Ausscheidens nach der CL-Vorrunde wenig Anlass gibt, das Träumen in dieser Saison ganz einzustellen.
Es ist geschafft: WIR FAHREN NACH BERLIN.
Liebe Piranhas,
was für ein CL-Spiel gegen PSG. Vor Spielbeginn hat man in der Arena die Vorfreude aber auch die Anspannung förmlich gespürt. Die erneut überragende Choreografie in der Cannstatter Kurve und anschließend die Champions -League Hymne. Was für ein Erlebnis, auch wenn die Champions-League-Reise 2024/2025 nach knapp 20 Minuten des „Endspiels“ gegen PSG eigentlich bereits zu Ende war. Ich bin ja schon ein paar Jahrzehnte „dabei“, habe aber bisher selten einen so fantastisch aufspielenden Gegner des VfB wie PSG spielen sehen. PSG war überragend, auf jeder Position und über die komplette Spielzeit - und gnadenlos effektiv. Keine Frage, einige Spieler des VfB haben bei diesem „Endspiel“ ihre Normalform nicht gefunden. Gegen diese Star-Truppe mit einem Marktwert von rund 900 Mio. EUR, bestückt mit pfeilschnellen Außenstürmern, einem überragenden Mittelfeld sowie einer kompromisslosen und ballsicheren Abwehr, zu verlieren, das ist keine wirkliche Überraschung. Der VfB war PSG komplett unterlegen, sowohl läuferisch und spielerisch als auch taktisch und im Zweikampfverhalten.
Liebe Schwaben- Piranhas,
nach der grandiosen letzten Saison haben sicherlich viele VFB-Anhänger zumindest insgeheim gehofft, dass der Höhenflug des VfB zumindest „fast so“ weitergeht. Dieser Traum hat sich leider nicht ganz erfüllt, obwohl der VfB mit dem eigentlich eingeplanten Sieg gegen den FC St. Pauli mit 26 Punkten auf Platz fünf in die kurze Winterpause gegangen wäre. Mit 23 Punkten aus 15 BL-Spielen – sechs Siege, fünf Unentschieden und vier Niederlagen- steht der VfB aktuell auf Platz zehn. Platz drei ist aber derzeit gerade mal vier Punkte entfernt. Der Traum vom erneuten Einzug in das europäische Fußballgeschäft darf daher noch weitergehen.
Magische Nächte. Champions-League 2024/2025. Teil 3
Es war wieder ein überragendes Erlebnis in der MHP-Arena. Mit dem erhofften und unbedingt notwendigen Erfolg im Spiel gegen den amtierenden Schweizer Meister, den Berner Sport Club (BSC) Young Boys, hat sich der VfB seine Chance erhalten, in die Play-off’s der CL 2024/2025 einzuziehen.
Die Young Boys sind der bekannteste und traditionsreichste Fußballclub der Schweiz. Sie haben mit aktuell 20.000 Mitgliedern die höchste Mitgliederzahl aller 12 Mannschaften der„Credit Suisse Super League“ und mit 65,5 Mio. EUR den höchsten Marktwert. In den letzten sieben Jahren wurde Young Boys Bern sechs Mal Meister, hat in dieser Zeit drei Mal in der Champions League mitgespielt und sich zwei Mal für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert. Vergleicht man diese Zahlen mit denen des VfB Stuttgart - aktuell 110.000 Mitglieder und ein Marktwert des Kaders von rd. 313 Mio. EUR - dann ist der klare Sieg des VfB gegen die Young Boys so einzustufen, wie Sebastian Hoeneß vor dem Spiel angekündigt hat: „Wir werden dieses Spiel so angehen, wie man ein Spiel angeht, wenn es um viel geht. Wir werden nicht abwarten und schauen, was uns der Gegner anbietet.“
Die Reise geht weiter
Liebe Piranhas,
der VfB stand im Heimspiel der Champions League 2024/2025 gegen Atalanta Bergamo von Beginn an unter Druck. Als Folge der offensiven Spielweise von Atalanta -sehr häufig über die Flügel - kamen die beiden Außenverteidiger des VfB und auch Führich zu wenigen offensiven Aktionen. Zudem war der VfB durch die Spielweise von Bergamo gezwungen, oft durch die Mitte zu spielen oder versuchte mit langen Bällen das Mittelfeld schnell zu überbrücken. Da im Mittelfeld vor allem Stiller oft in Manndeckung genommen wurde, konnte sich das Passspiel - wie auch bereits in einigen Spielen der Bundesliga - nicht richtig entfalten. Die langen Bälle aus der Abwehr des VfB wurden vom Abwehrblock der Italiener regelmäßig abgewehrt. Persönlich hatte ich den Eindruck, dass einige Spieler von Bergamo vor allem in der Abwehr und im Mittelfeld oft einen Tick schneller im Denken und Handeln waren.