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Fußball-Weltmeisterschaft der Männer. Quo Vadis, deutsche Auswahlmannschaft?

Gianni Infantino, Präsident der FIFA, hat die Fußball-WM-Endrunde der Männer mit dem Aufblähen von 32 auf 48 Endrundenteilnehmer zu einer Eventveranstaltung mit beispielloser Kommerzialisierung gemacht.

Und Herr Nagelsmann hat vor Beginn der Endrunde der WM 2026 verkündet, „Wir wollen Weltmeister werden“. Auch einige Spieler haben sich so geäußert. Ob das klug war, wird sich (bald) zeigen. Notwendig war diese Ankündigung nicht. Er hat eine weitere, ebenso ungewöhnliche Ankündigung gemacht, indem er neun Spieler benannt hat, denen er eine Einsatzgarantie in der Startelf öffentlich zugesagt hat. Daran hat sich auch nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Schlotterbeck nichts geändert. Für ihn rückt Rüdiger in die Startelf auf. Brown konnte zwar im letzten Gruppenspiel nicht auflaufen, soll aber für das anstehende Spiel gegen Paraguay wieder gleich in der Startelf stehen. Raum, der für ihn einspringen durfte, kehrt wieder auf die Bank zurück. Aus dem Kreis der weiteren, nun noch verbliebenen 16 Spielern bekommen je weiterem Spiel zwei Spieler von der Bank die Chance, in die Startelf zu rutschen. Im Laufe der 2. Halbzeit erfolgten bisher einige Wechsel. Die eingewechselten Spieler sollen es offensichtlich „richten“, wenn es die Startelf auch nach 60 oder 70 Minuten nicht geschafft hat, oder eine Niederlage “droht“, was ab sofort ein Ausscheiden zur Folge hätte. Herr Nagelsmann vertraut darauf, dass die eingewechselten Spieler unmittelbar zu 100% funktionieren und das Ziel des Einzugs in die nächste Runde in vergleichsweise kürzeren Einsatzzeit so doch noch erreicht wird. Obwohl diese Spieler deutlich weniger Spielpraxis sammeln konnten und entsprechend seiner Bewertung nicht „erste Wahl“ sind. Auch wenn ein eingewechselter Spieler wie Undav die entscheidenden Tore gegen die Elfenbeinküste geschossen hat, oder wenn ein Spieler von der Bank seinen „Job“ vergleichsweise gut erledigt, hat er davon auszugehen, im nächsten K.o.- Spiel zunächst wieder auf der Bank zu sitzen.

So im Prinzip (schlicht) kommt mir - zugegebenermaßen fußballerisch Unkundigem- die Strategie von Herrn Nagelsmann vor. Aber so will er die WM 2026 gewinnen.  

Mein Zwischenfazit zu den Leistungen der Nationalmannschaft Deutschlands nach Abschluss der aus meiner Sicht eher als zusätzliche „Qualifikationsrunde“ zu betrachtenden Gruppenphase- allerdings nun aber auf der „Weltbühne des Fußballs“ vor 3.605.357 Zuschauern- fällt eher zurückhaltend aus.

Laut der FIFA/Coca-Cola Weltrangliste (Männer), so heißt sie offiziell tatsächlich, sind die bisherigen Gegner der Nationalmannschaft (Stand 11.06.2026) auf Position 24 (Ecuador), 33 (Elfenbeinküste) und 82 (Curacao) eingestuft. In dieser, nach der Elo-Methode ermittelten Rangliste, ist Deutschland auf Rang 12 gelistet. Die deutsche Mannschaft hat einen ergebnistechnisch hohen Sieg gegen die Nummer 82 eingefahren, einen glücklichen Sieg gegen die Nummer 33 verbucht und musste im letzten Spiel der Vorspielrunde gegen die Nr. 24 der Weltrangliste eine verdiente Niederlage hinnehmen.

In keinem der drei Spiele schaffte es die Mannschaft, ohne Gegentor zu bleiben - vier Tore in drei Spielen. Nach der Niederlage gegen Ecuador wurde Nagelsmann in einem Interview um seine Einschätzung der bisherigen Leistung von Neuer gebeten. Natürlich und vor allem auch vor dem Hintergrund des Siegtreffers der Ecuadorianer zum 2:1, den die meisten Reporter auch heute noch als ein Geschenk von Herrn Neuer bewerten. Im Hinterkopf haben viele Fußballfans die auch aus meiner Sicht zumindest nicht glücklich kommunizierte Rückholaktion von Neuer und die damit verbundenen Zurückstufung von Oliver Baumann auf die Ersatzbank. Dass Neuer zudem bei den Bayern spielt, einer Mannschaft, die die Fußballnation grundsätzlich in zwei (große) Lager spaltet, spielte dabei auch eine Rolle. Zumal ist allen Fußballinteressierten und gleich gar nicht den Medien verborgen geblieben, dass der Bayern-Torhüter Nummer 1 in der abgelaufenen Saison auffallend häufig mit muskulären Problemen pausieren musste und ihm in einigen zum Teil wichtigen Spielen der Bayern bis dato eher seltene Fehler, oder sprechen wir neutraler von „Konzentrationsschwierigkeiten“, unterlaufen sind. Dass er auch mit vielen großartigen Paraden bei den Bayern geglänzt hat, und wie u.a. im CL-Ligaspiel gegen Real Madrid das noch frühere Aus verhindert hat, das bleibt (meist von den Anhängern des „anderen 50%-Lagers“) unerwähnt. So gesehen, war die von dem Interviewer gestellte Frage für Nagelsmann heikel. Vor allem, weil er zusätzlich und insbesondere, seine Entscheidung, Neuer wieder in die Nationalmannschaft zurückzuholen, immer wieder gebetsmühlenartig mit der Feststellung zu untermauern versucht hat, Neuer wäre in entscheidenden Situationen der größere Rückhalt, auch weil ihn eine Aura umgeben würde, die Angreifer, die die Gelegenheit bekommen, den Ball zumindest auf das Tor zu schießen, zum Grübeln oder Nachdenken kommen könnte. Die bisherigen Torschützen hat die vermeintliche Aura von Neuer aber offensichtlich nicht beeindruckt. Nagelsmann meinte zudem, es sei für Neuer „extrem ärgerlich“, dass er bisher keine Gelegenheit für die „Winner-Aktion“ bekommen habe. Sprich, aus seiner Sicht war der Siegtreffer der Ecuadorianer zum 2:1 unhaltbar. Was war dies für eine im Grunde unbedarfte und untaugliche Anmerkung. Typisch Nagelsmann, „einfach mal so ein Statement herauszuhauen“. Er wollte wohl die Entscheidung, Neuer doch wieder den Vorzug im Tor zu geben, auch damit ein Stück rechtfertigen und die Extraklasse von Neuer zusätzlich bekräftigen. Ich bezweifle, dass diese Bewertung hilfreich ist. Ein Fußballspiel hat weniger zum Ziel, dem Torwart Gelegenheit zu geben, zu zeigen, wie gut er (noch) ist? Joshua Kimmich hat nach der Niederlage gegen Ecuador das eigentliche Problem klar benannt: „Wir dürfen nicht jedes Spiel ein bis zwei Gegentore kassieren“ und gefordert „Wir müssen die Ballverlust-Quote minimieren“. So ist es und damit ist die Schwachstelle im Spiel der deutschen Nationalmannschaft klar benannt. Daran hat sich die letzten (vielen) Jahre wenig verändert. Dies zeigt ein Blick in die Statistiken. Die Zahl der „Zu-Null-Länderspiele“ hat sich nach dem Wechsel von Löw zu Flick als Nationaltrainer tendenziell zumindest nicht verändert. Es ist Fakt, dass nach dem WM-Titel 2014 die Mannschaft bei einer WM- oder EM-Endrunde nie wieder ohne Gegentor geblieben ist.  Mit Flick als Bundestrainer hat die Mannschaft in 25 Spielen sieben Mal zu Null gespielt und ein Torverhältnis von 59:30 vorzuweisen. Neuer stand unter Flick in 16 Spielen von Beginn an im Tor. Die bisherige Bilanz von Herr Nagelsmann - ohne Neuer im Tor und ohne die drei Gruppenspiele bei der aktuell laufenden WM2026- lautet: In 11 dieser 33 Spiele hat die Mannschaft unter Nagelsmann „zu Null“ gespielt. Das Torverhältnis lautet 77:34 Tore. Demnach ist die Quote der Zu-Null-Spiele unter Nagelsmann in Spielen und mit anderen Torhütern als Neuer eher schlechter geworden. Diese „Baustelle“ hat auch Nagelsmann bisher nicht schließen können. Neuer war viele Jahre unbestritten einer der weltbesten Torhüter. Daher hat eher Kimmich die eigentliche Schwachstelle benannt. Die meisten Gegentor fallen nach Unzulänglichkeiten und Fehlern im Abwehrverhalten.

Im Spiel gegen Ecuador sind viele Fehler im Abwehrverhalten „passiert“. Nicht alle Fehler führten auch in diesem Spiel unmittelbar zu einem Gegentor. Dem Siegtreffer des Stürmers aus Ecuador ging ohne jeden Zweifel eine Kette von Fehlern im defensiven Mittelfeld und der Abwehr voraus. Musiala lässt sich in einem Zweikampf problemlos einfach „zur Seite schieben“, Raum‘s Kopfballabwehr scheitert und Tah steht falsch. Und dann war der Stürmer um Millisekunden eher am Ball. So eine Szene sieht bei Betrachtung der Super-Zeitlupe wie ein „klarer Fehler“ von Neuer aus. Aber nur in der Super-Zeitlupe. In der Realität spielte sich diese Situation in kürzester Zeit ab. Der Torschütze hat schneller als Neuer reagiert. Hätte Baumann dem Stürmer den Ball noch „irgendwie“ vom Fuß weggespitzelt? Der Ball kam halbhoch auf Neuer zu, da kann er nach meinem Eindruck nur noch mit den Händen zupacken. Mit der Brust oder dem Bauch, oder dem Kopf? Ich stimme in der Einschätzung dieser Situation auch Neuer zu und halte es nicht für angebracht, wenn nun behauptet wird, dieses Tor sei ausschließlich sein Fehler gewesen. Niemand kann auch ernsthaft behaupten, „den Ball hätte Neuer früher gehalten“. Trotzdem diskutieren gefühlt „tausende“ Experten“, ob dieser Schuss haltbar war oder nicht. Wer hätte ihn gehalten? Das ist wieder eine der zahlreichen Phantomdiskussionen.

Die Feststellung von Kimmich unterstreichen zwei weitere Szenen in diesem Spiel vor dem Tor von Neuer. In der letzten Viertelstunde segelt ein hoher Ball auf das Tor von Neuer zu. Er steht fangbereit da. Vor ihm steht Tah, der dennoch versucht, diesen Ball wegzuköpfen- ohne Notwendigkeit. Das misslingt ihm und Rüdiger verhindert mit einer grandiosen Aktion einen weiteren Torschuss- aufs leere Tor. Auch Tah hat Neuer neulich als einen der immer noch besten Torhüter in der Fußballwelt bezeichnet. Oder hat er Neuer in dieser Situation nicht vertraut? Nein, es war- in diesem Fall- wieder ein individueller Fehler, von Tah (der ohnehin noch nicht wirklich überzeugt hat).  In einer ähnlichen Situation kurz vor Spielende blockt Stiller-als letzter Mann vor dem leeren Tor- mit einer Grätsche im Stil eines Innenverteidiger einen Torschuss erfolgreich ab. Wo war da die Innenverteidigung?  

Der Schwachpunkt im Spiel der Nationalmannschaft war und ist das Abwehrverhalten. Bei besonders erfolgreichen Mannschaften müssen heute nicht nur alle Mittelfeldspieler, sondern auch die Offensivspieler mit verteidigen. Das erfordert nicht nur viel Laufarbeit für alle Spieler, sondern auch eine entsprechende Schulung sowie eine klare Spieltaktik. Viele Fähigkeiten und Anforderungen lassen sich durch entsprechende Ausbildung und im Training verbessern. Auch Grundschnelligkeit und Athletik sowie Robustheit zähle ich dazu. Leidenschaft und unbedingter Willen, wirklich alles und darüber hinaus zu geben, oder Führungsaufgaben zu übernehmen und als Vorbild aufzutreten, zumal bei einer WM-Endrunde. Das lässt sich weniger gut trainieren. Das Team um einen Trainer ist in der Zwischenzeit fast so groß wie der Spielerkader. Heerscharen von Co-Trainern, Spezialisten für zig Teilbereiche bis hin zu Eckbällen und Einwürfen und auch noch im Hintergrund tätige Spezialisten wie zahllose Spielerbeobachter, Datenauswerter und sogar Köche (bei EM und WM-Endrunden) „betütteln“ heute Fußballmannschaften im Profibereich. Standardsituationen werden geübt, verschiedene Aufstellungsvarianten entwickelt, und einige Mannschaften passen während eines Spiels auch das Spielsystem bei Bedarf an.  Das Ergebnis kann man bei jeder Profimannschaft auch daran erkennen, dass es vermeintlichen „Underdogs“ immer häufiger gelingt, einer vermeintlich stärker besetzten Mannschaft (mit vergleichsweise teurerem Kader) alles abzuverlangen. Solche „engen Spiele“ gab es in der Vorrunde der WM 2026 sehr zahlreich zu sehen. Bei den meisten der 48 Mannschaften, auch bei den vermeintlichen „Underdogs“ der WM 2026, habe ich den Eindruck gewonnen, dass vor allem in der Abwehr und im Sturm fast nur muskelbepackte, voll austrainierte Spieler „mit Gardemaß“ zum Einsatz kommen. Alle Mannschaften kämpfen mit vollem Einsatz, zeigen viel Leidenschaft, mannschaftliche Geschlossenheit und absolute Konzentration bis zum Schlusspfiff. So pathetisch es klingt, vor allem die vermeintlich schwächeren Mannschaften kämpfen „bis zum Umfallen“ und viele Spieler sind schon bei der Hymne sichtbar glücklich und stolz, für ihr Land an einer WM-Endrunde im Kader stehen zu dürfen. Jeder kann sich seine eigene Meinung bilden, wie er die Spieler der deutschen Mannschaft in dieser Hinsicht sieht.  

Vom Trainer einer Nationalmannschaft kann man auch erwarten, dass er alle Spieler nach der nachweislich gezeigten Leistung im Verein auswählt und dabei auch die jeweilige Stärke der Liga, in der sie spielen, mit einbezieht. Daher fällt es mir schwer, zu verstehen, warum Herr Nagelsmann zweifellos überdurchschnittlich begabten Fußballern, die nach monatelanger Verletzungspause in Ligaspielen vor der WM sichtbar und verständlich zeigen, dass sie noch (weit) weg vor ihrem tatsächlichen Leistungsvermögen sind, eine Startelfgarantie ausgeteilt hat. Dies hat er auch bei Spielern mit großem Talent so entschieden, obwohl sie nach ihrem Wechsel ins Ausland (seit längerem noch) nicht die in sie gesetzten, höheren Erwartungen erfüllen.  Nagelsmann hat diese Entscheidungen mit der Hoffnung begründet, dass diese Spieler ihre offensichtlich bestehenden Rückstände/Defizite durch weitere Spielpraxis in der Startelf nun auf die Schnelle aufholen werden. Dies ist für mich eher eine Zockermentalität. Die Gruppenphase dazu zu nutzen, ob das so ist, ist vielleicht noch einigermaßen zu verstehen, zumal die Mannschaft Gruppenerster wurde. Die nun anstehenden K.o.-Runden verbieten es aber, weiterhin zu testen. Wenn man das Ziel hat, Weltmeister zu werden.

Zudem wird nach meiner Einschätzung Kimmich als rechter Verteidiger in der Nationalmannschaft „verbrannt“. Bei Bayern spielt er meist im Mittelfeld und zeigt dort seine große Klasse, die er zweifellos hat. Bei Bayern führt und lenkt Kimmich dort das Spiel. In der Nationalmannschaft darf er diese Aufgabe nicht übernehmen. Warum eigentlich? Keinen geeigneten Weltklasseverteidiger auf der rechten Seite zur Verfügung zu haben, ist für mich kein Grund. Dann gilt es eine Lösung zu finden und nicht Kimmich auf diese Position zurückzuziehen. Kimmich besitzt nicht ganz die Geschwindigkeit, um mit heute überwiegend sehr schnellen offensiven Weltklassespielern auf den Flügeln (immer) mitzuhalten und ist auch kein gelernter Außenverteidiger. Dies zeigt sich auch, wenn wirklich gute Mannschaften mit präzisen Steilpässen über die Flügel versuchen, schnell hinter die Abwehrreihe zu kommen. Es ist selbst für mich als Laie in einigen Spielen offensichtlich, dass Kimmich dadurch nicht selten unter Druck gerät und so den einen oder anderen Abwehrfehler produziert hat. Das hat zu einigen brenzlichen Situationen geführt.  Kimmich ist Weltklasse im Mittelfeld. Das ist seine Position, auf der er regelmäßig sehr viel leistet, bei den Bayern. Mit Sané hat Nagelsmann ihm neuerdings einen offensiven Außenbahnspieler als „Back-up“ zur Entlastung zugeordnet. Dass dies nicht die Lösung sein kann, ist auch ohne Experten und Datenauswertung allein an der Körpersprache von Sané abzulesen. Er ist zweifellos ein sehr schneller Spieler, aber er hat weder die Ausbildung noch den Willen, dieses heute geforderte „Rauf und Runter“ das auch von einem Flügelstürmer auf der Außenbahn gefordert, zu leisten.  Er bewegt sich neuerdings zwar häufiger auch nach Rückwärts, rennt aber regelmäßig den ganz schnellen Flügelflitzern hinterher. Das hat mit Verteidigen wenig zu tun. Die Entwicklung, dass ein Top- Außenstürmer heute sehr wohl auch „nach hinten zu arbeiten hat“, hat ihn offensichtlich nicht erreicht.  Sonst hätte ihn Bayern sicherlich nicht gehen lassen.  Sein erstes (!) Tor bei insgesamt 4 Endrundenteilnahmen einer EM oder WM (zwei Weltmeisterschaften (2022 und 2026) und zwei Europameisterschaften (2016 und 2021)) hätte wegen eines vorausgegangenen, klaren Foulspiels von Pavlovic nicht zählen dürfen. In der Süper Lig hat Sané offensichtlich auch (zu) wenig Tore geschossen (7 Stück). Er steht dort selten in der Startelf. Warum kommt Leweling auf dieser Position bisher kaum zum Einsatz und sitzt im Spiel gegen Ecuador sogar die ganze Partie auf der Bank?

Auf der linken Abwehrseite hat Raum den verletzten Brown nicht gleichwertig ersetzen können. Mittelstädt entsprach wohl nicht mehr dem Typ Spieler, die sich Herr Nagelsmann für seine Spielidee vorstellt. OK., Mittelstädt lief auch beim VfB einige Zeit seiner Form hinterher, zeigte aber im letzten Drittel der abgelaufenen BL-Saison wieder sehr gute Leistungen, in der Abwehr und auf der linken Außenbahn. Er hat auch „Zug zum Tor“ bewiesen und einen tollen Schuss. Ansonsten hat Herr Nagelsmann keinen gelernten Außenverteidiger zur Verfügung. Unglücklicherweise versprühen weder Wirtz noch Musiala (auch) nicht den Drang, die rechte Außenbahn auch mal bis zur Grundline des eigenen Spielfeldes zu beackern. Zudem sind beide auch körperlich (noch immer) nicht robust genug und gehen Zweikämpfen offensichtlich eher aus dem Weg. „Umkurven“ von möglichst vielen Abwehrspielern ist und bleibt ohne Torabschluss „brotlose Kunst“. Sowohl Wirtz als auch Musiala erfüllen trotz ihrer Startelfgarantie bei weitem immer noch nicht die von ihnen erwarteten Leistungen als „Weltklasse-Traumduo“, wie sie vorschnell betitelt werden. Auch Havertz fehlt nach einigen Verletzungspausen noch Spielpraxis und alte Stärke. Er ist aber ein sicherer Elfmeterschütze.

Im Mittelfeld kann für mich Pavlovic Kimmich (noch) nicht ersetzen.  Im Spiel gegen Ecuador ist Pavlovic eigentlich nur einmal richtig aufgefallen, als er mit dem rechten Fuß seinen Gegenspieler am Kopf traf und der Ball dann bei Sané landete, der frei zum Schluss kam. Nmecha hat in den ersten beiden Spielen sehr gut gespielt. Er kann ein Schlüsselspieler werden. Im Spiel gegen Ecuador ist auch er mehr oder weniger „untergetaucht“. Auch er hat eine längere Verletzungspause hinter sich, stand aber in allen bisherigen Spielen in der Startelf und hat weitgehend durchgespielt. Im Spiel gegen Ecuador durfte Stiller im Wechsel gegen Nmecha für eine halbe Stunde mitspielen. Er wurde zu selten angespielt und wenn er den Ball hatte, suchte er meist vergeblich einen Mitspieler, der den Ball wirklich haben wollte.

Daher teile ich die Forderung von Lothar Matthäus, Kimmich „von da hinten wegzuholen, weil er dort keinen Einfluss auf ein Spiel nehmen kann, zumindest nicht den, den ich mir von einem Kapitän wünsche“.

Ich bin gespannt, ob sich die Startelf in der K.O- Runde gegen Paraguay entscheidend steigern kann. Es gilt zum vierten Mal, eine sehr robuste Mannschaft zu besiegen und wieder ist dazu ein „Abwehrbollwerk“ zu knacken. Hoffentlich steht die Abwehr in diesem Spiel stabiler und Neuer bleibt ohne Gegentor. Kenner des Weltfußballs warnen, dass Paraguay vergleichbar gut wie Ecuador ist, hinsichtlich Robustheit, Zweikampfführung und Abwehrverhalten. Auch Paraguay soll im Umschaltspiel sehr gut sein, auch wenn ihnen in den drei Vorrundenspielen lediglich zwei Treffer gelangen. Insofern ist auch das Mittelfeld der deutschen Mannschaft gefordert. Paraguay ist nach 16 Jahren wieder zurück auf der WM-Bühne und hat mit vier Punkten und einem Torverhältnis von 2:4 den Einzug in die K.O.-Runde geschafft. Gegen die Türkei wurde 1:0 gewonnen, gegen Australien 0:0 gespielt und nur gegen die USA Gegentore gefangen - allerdings vier Stück. Auf der FIFA/Coca-Cola- Rangliste steht Paraguay aktuell „nur“ auf Position 54.

Dass Nagelsmann im kommenden Spiel von seinem für mich unangenehm ausgeprägten Ego abweicht, das erwarte ich nicht. Er wird wohl „seine“ Startelf und zwei, bisher meist auf der Bank sitzenden Ersatzspieler ins Rennen schicken. Undav ist wohl schon informiert, dass er im Spiel gegen Paraguay zunächst wieder auf der Bank Platz zu nehmen hat. Dass Kimmich auf die Position zurückkehrt, auf der er bei den Bayern regelmäßig Weltklasseleistungen zeigt, oder dass er Sané zumindest zunächst auf die Bank beordert und z.B. Leweling wieder eine Chance in der Startelf gibt? Auch eher unwahrscheinlich

Sollte das Spiel gegen Paraguay gewonnen werden, dann geht es im Achtelfinale wohl gegen Frankreich.

So viel für heute.

Viele Grüße aus dem Schwarzwald

Bernhard

Soe 27/06/2026