Liebe Schwaben-Piranhas,
leider ist der VfB in dieser Saison wirklich ins Mittelmaß abgetaucht. An dieser Tatsache ändert sich trotz des Erreichens des Achtelfinales der Europa League nichts. Auch die guten Chancen, in diesem Jahr zumindest unter die letzten vier Mannschaften im DFB-Pokal zu kommen, täuschen nicht darüber hinweg, dass die Mannschaft des VfB in der Bundesliga dort steht, wo sie auf Grund ihrer Leistungsfähigkeit hingehört. Ein Blick auf den Kader und die Einkaufs- /Verkaufspolitik des VfB verdeutlicht dies. Im aktuellen Kader des VfB stehen 28 Spieler. Zu Beginn der Saison 2012/2013 haben 6 Spieler den VfB verlassen, zur Winterpause hat man dann mit Maza und Kuzmanovic 2 weitere Spieler verkauft. Und Bah gehört wohl auch nicht mehr zum Kader. Man hat ihn zum Training in die zweite Mannschaft beordert. Zu Beginn dieser Saison hat der VfB 6 Spieler verpflichtet. Darunter sind 3 Spieler aus der eigenen zweiten Mannschaft und Didavi als „Rückkehrer“.
Zu Beginn der Rückrunde hat man 4 weitere Spieler, darunter mit Röcker einen weiteren Spieler aus der zweiten Mannschaft, unter Vertrag genommen. Alle neu verpflichteten Spieler sind entweder Nachwuchsspieler aus der eigenen zweiten Mannschaft, oder kommen von Vereinen, bei denen sie sich (noch) nicht durchgesetzt haben und verfügten auf wenig Spielpraxis. Didavi hat nach seiner Rückkehr gerade mal drei Spiele bestritten. Hoogland hat in Schalke auf Grund seiner Verletzungsanfälligkeit im Jahr vor seinem Wechsel (er ist für ein Jahr ausgeliehen) kaum Spielpraxis gesammelt und ist gerade mal in zwei Spielen aufgelaufen. Beide sind solange verletzt, dass man sie eigentlich nur zahlenmäßig zum Kader zählen kann. Und Torun hat bei seinen insgesamt 16 Einsätzen in den drei laufenden Wettbewerben eindeutig gezeigt, warum er bei Hertha BSC ausgemustert wurde und ablösefrei zum VfB kam. Nun fällt auch Torun für einige Zeit verletzt aus, so dass auch ich mich nicht mehr darüber wundern muss, warum Bruno L. ihm immer wieder eine Chance gegeben hat. Er hat keine seiner Chancen genutzt. Von den in dieser Saison verpflichteten 4 Spielern aus der zweiten Mannschaft hat es lediglich Benyamina auf zwei Kurzeinsätze gebracht. Zieht man dann noch die 2 Torhüter, die in dieser Saison noch nicht eingesetzt wurden, sowie Audel und auch Cacau als Langzeitverletzte ab, dann sieht man, dass der Kader des VfB wirklich sehr „dünn“ besetzt ist. Und es besteht kein Zweifel, dass die Mannschaft in dieser Saison nochmals deutlich geschwächt wurde. Man hat Spieler wie Boulahrouz, Maza, Kuzmanovic und Schieber verkauft, die alle mehr Erfahrungen und Qualität haben, als die Neuverpflichtungen haben oder noch nicht haben. Betrachtet man das „Kommen und Gehen“ beim VfB seit der Verpflichtung von Herrn Bobic als Sportdirektor, dann kommt man schon ein bisschen ins Grübeln. Seit Amtsantritt von Herrn Bobic im Sommer 2010 wurden 32 Spieler neu verpflichtet, darunter waren 10 Spieler aus der zweiten Mannschaft. Verkauft wurden 28 Spieler und darunter wiederum 9 Spieler, die aus der zweiten Mannschaft in den Profikader aufgerückt sind, sich aber dort offensichtlich doch nicht durchsetzen konnten. Mit Audel, Bah, Camoranesi, Degen und Hoogland haben sich fünf Verpflichtungen als sehr unglücklich herausgestellt. Seit Sommer 2010 wurden 10 Spieler aussortiert bzw. verkauft. Hierzu zählen Spieler wir Celozzi, Marica, Pogrebnyak, Delpierre, Elson, Gebhart, Boulahrouz und Kuzmanovic, aber auch der Verkauf von Träsch, Schieber und Maza. Man hat damit sicherlich hohe Gehaltszahlungen eingespart und Transfererlöse erzielt. Aber es gingen auch Qualität und Erfahrung verloren. Herr Bobic hat aber 2010 und 2011 auch viele Spieler verpflichtet. Acht zählen in der aktuellen Saison zur Stammformation: Gentner und Harnik (Zugänge im Sommer 2010), Hajnal und Okazaki (Zugänge im Winter 2010), Kvist und Traore (Zugänge im Sommer 2011) und Ibisevic und Sakai (Zugänge im Winter 2011). Zwei weitere Spieler, Maza und Schieber (Neuzugang/Rückkehrer im Sommer 2011) wurden allerdings schon wieder verkauft und Hajnal bekommt immer weniger Einsätze. Bruno L. ist seit Winter 2010 der Trainer des VfB. Neben diesen von Herrn Bobic verpflichteten Stammkräften kann Bruno L. auf weitere Stammspieler zurückgreifen, die schon vor der Zeit Bobic/Bruno L. als Leistungsträger beim VfB unter Vertrag standen: Ulreich, Niedermeier, Tasci, Boka, Molinaro und Cacau. Und damit haben wir eigentlich schon alle Spieler des VfB aufgezählt, die Bruno L. zu seinen Stammkräften zählt. Es sind ca. 14 - 15 Spieler. Hinzu kommen in jüngster Zeit noch die beiden Youngster Holzhauser und Rüdiger. Und Cacau soll ja ab März dieses Jahres vielleicht auch wieder für Kurzeinsätze zur Verfügung stehen. Mal sehen, ob er dem VfB dann im Sturm wirklich weiterhilft. So wundert es auch nicht, dass in den bisherigen 36 Spiele in den drei Wettbewerben dieser Saison der Kern der Spieler, die mehr als 2 bis 3 Spiele gemacht haben, gerade mal 20 Spieler umfasste. Nicht mehr dabei oder verletzt sind davon jedoch 5 Spieler (Didavi, Cacau, Torun, Maza und Kuzmanovic). Damit bleiben die aktuell überwiegend zum Einsatz kommenden 15 Spieler übrig. 9 Spieler haben praktisch noch keinen Einsatz in der ersten Mannschaft gehabt oder sind erst zur Rückrunde verpflichtet worden bzw. sind als Perspektivspieler aus der zweiten Mannschaft in den Profikader aufgerückt. Aktuell sind zudem einige Leistungsträger nicht in Topform. Ibisevic schwächelt, Harnik spielt, für mich völlig unverständlich, seit Wochen „unterirdisch, Kvist spielt den Ball viel zu oft quer oder rückwärts und ist zu langsam und Okazaki hat auch viel von seiner Gefährlichkeit verloren. Aber Bruno L. hat zu wenige Alternativen. Unter dem Gesichtspunkt, dass man weiterhin vom Erreichen des DFB- Pokalendspiels träumen darf, so mancher immer noch darauf hofft, dass der VfB auch in dieser Saison vielleicht doch noch einen Platz in der Bundesliga erreicht, der zur Teilnahme an der nächsten Europa League berechtigt und gegen Lazio Rom vielleicht für eine Überraschung sorgen könnte, ist der Kader einfach nicht stark und ausgeglichen genug. Von der Vereinsführung kommen aber immer wieder Signale, dass man die Mannschaft für gut genug hält, um auch in dieser Saison um die Europa League Plätze mitspielen zu können. So gesehen sind die lautstarken Klagen von Bruno L. in den letzten Wochen vor seiner Vertragsverlängerung verständlich gewesen. Bruno L. hat wenige, zu wenige Alternativen und damit kaum die Möglichkeit oder den Mut, auch mal junge und unerfahrene Spieler „ins kalte Wasser zu werfen“. Seine Klagen haben aber mit Sicherheit nicht dazu beigetragen, dass alle Spieler wirklich motiviert waren oder sind. Wenn sich schon der Trainer öffentlich darüber beklagt, dass die Erwartungshaltung im Umfeld des VfB zu hoch sei und ihm durch die Sparvorgaben der Vereinsführung bei der Verpflichtung namhafter Spieler die Hände gebunden seien, dann findet sich der eine oder andere Spieler sicherlich damit ab, dass sich der VfB aktuell im unteren Mittelfeld der Bundesliga befindet. Und mancher Spieler dürfte mit dem Erreichten in der aktuellen Saison unter diesen Bedingungen und auf Grund solcher Aussagen sogar zufrieden sein. Aber die Zuschauer sind offensichtlich nicht zufrieden: sie bleiben ganz offensichtlich immer häufiger zu Hause. Das hat sicherlich weniger mit der Kälte zu tun. Da hofft und bangt man, wie in der vergangenen Saison, dass der VfB wieder die Europa League erreicht. Und dann gelingt dies doch noch, dank einer tollen Rückrunde. Aber bei Heimspielen der Europa League-Spielen verlieren sich in der Arena nicht mehr als 10.000 bis höchstens 15.000 Zuschauer. Im DFB-Pokal spielen wir um den Einzug ins Halbfinale und man hört, dass vielleicht 20.000 Zuschauer zum Spiel am kommenden Mittwoch gegen Bochum kommen werden. Vielleicht trägt aber auch die Preispolitik des Vereins dazu bei. Aber mehr gibt der Kader meiner Ansicht nach aktuell nicht her. So gesehen spielt der VfB auch dieses Jahr eine ordentliche Saison. Nicht mehr und nicht weniger. Der VfB ist eine graue Maus (geworden), wie auch die Imagebewertung aller Fußballbundesligavereine unterstreicht. Was ich bei Bruno L, vermisse, sind vor allem zwei Dinge: Leidenschaft (am Spielfeldrand) und ein variables Spielkonzept. Bruno L. ist oder verhält sich für meinen Geschmack viel zu leidenschaftslos, so als ob er sich mit den Gegebenheiten im Verein abfindet oder sich angepasst hat. Nach dem Motto: Mehr ist mit dem aktuellen Kader nicht zu erreichen. Wo ist seine Körpersprache am Spielfeldrand, um die Spieler anzutreiben, zu motivieren? Er muss ja nicht Herrn Klopp kopieren, aber der Mannschaft hat unter Bruno L. noch nie leidenschaftlichen Fußball gezeigt. Das liegt auch am Trainer. Und der VfB ist in dieser Saison nicht wirklich torgefährlich. Seit Ibisevic nicht mehr ins Tor trifft, tut sich der VfB noch schwerer mit dem Tore-Schießen. Ich kann mich einfach nicht dafür begeistern, dass Bruno L. vor allem zu Hause nur mit einem wirklichen Stürmer spielen lässt. Ibisevic hat man als Strafraumspieler geholt. Wenn man dann aber im Mittelfeld nur wenige torgefährliche Spieler hat, oder dass die Mittelfeldspieler eher defensiv denken und handeln, dann muss sich der einzige Stürmer auch noch die Bälle im Mittelfeld selbst erkämpfen und er soll dann auch noch die Tore erzielen. Das können wirkliche Klassespieler. Aber über solche Spieler verfügt der VfB halt nicht. Auch hier vielleicht ein zu großer Unterschied zwischen Wunschdenken und Wirklichkeit, auch beim Trainer des VfB?! Warum nicht Harnik auch mal als zweite Spitze neben Ibisevic aufstellen? Harnik ist und bleibt ein Spieler mit Drang zum Tor. Er ist gerade zwar in einem Tief, aber er muss generell zu häufig Defensivarbeit verrichten. Das ist nicht sein Spiel und nicht seine Stärke. Und wo ist der oder wo sind die offensive(n) Mittelfeldspieler? Wo sind die Außenspieler, die den Ball bis zur Grundlinie treiben und dann gut vor das Tor flanken können? Aktuell sieht man das nur bei Traore. Er ist aber noch zu ballverliebt. Wenn der VfB mit einem 4 - 4 -2 System spielt, ist er fast immer torgefährlicher, als mit nur einer Spitze. Dieses System spielt der VfB nach meinem Geschmack zu selten. Hier wünsche ich mir von dem eigentlich offensiv denkenden Bruno L. mehr Mut und mehr Risikobereitschaft. 25 Tore in 23 Spielen erzielt, das ist viel zu wenig. Aber 40 Tore in 23 Spielen kassiert, das ist auch untragbar. Hier hat Bruno L. noch nicht das richtige Konzept gefunden. Derzeit geht es offensichtlich darum, nicht mehr so viele Gegentore zu kassieren. Aber wenn dann Ibisevic nicht trifft? Das ist zu wenig! So, nun ist mal wieder genug gebruddelt. Es ist halt so wie es ist, der VfB ist eher Mittelmaß, hat aber Ansprüche, denen der Verein - auf allen Ebenen - nicht wirklich gerecht wird. So viel für heute.
Herzliche Grüße aus dem Schwarzwald.
Bernhard